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auch seine Mutter. Die Wölfe heulten nachts und wagen sich bis in die Dörfer. Im Spiegel von
Chaos und Tod, Leid und Angst kam ein Priester namens Don Luigi Orione, durch die
zerstörten Dörfer und sammelte die Kinder um sich, die beim Erdbeben ihre Eltern verloren
hatten. Für Silone war dies eine Begegnung mit einem Menschen, der sich uneingeschränkt
für eine Sache einsetzte. Diese Erlebnisse nimmt er Jahre später in seinen Romanen auf. Er
fand jenen unkonventionellen und aufopfernden Priester Jahre später auf einer Zugfahrt
wieder, während des Zweiten Weltkrieges. Italien war zwar im Bündnis mit den
Mittelmächten, verhielt sich jedoch neutral. Auf den Straßen forderten die Menschen eine
Beteiligung Italiens an Seite der Alliierten. In dieser zweiten Begegnung mit Don Luigi
Orione wird ihm von einer Antikriegsintiative erzählt. Die Christen aller betroffenen Länder
sollten dazu aufgerufen werden, sich gemeinsam für eine Beendigung des Krieges
einzusetzen.2 Das Gespräch machte tiefen Eindruck auf den sechzehnjährigen Silone, der hier
wie ein Erwachsener behandelt wurde. Der Krieg zog spurlos an den Jungen vorbei.
1918 brach der junge Silone nach Rom auf, seine politische Laufbahn begann. Geweckt durch
die Hoffnungen des roten Oktober3 schloß sich er sich der Sozialistischen Jugend an. Die
Entfernung von der Glaubenswelt machte dem Jungsozialisten zu schaffen: Alles wurde in
Frage gestellt, alles wurde zu einem Problem. Im Augenblick des Bruchs fühlte ich, wie sehr
ich mit allen Fasern meines Seins an Christus gebunden war...Dennoch schien es leicht, allen
Gefahren zu trotzen, denn man war nicht mehr allein im Kampf.4 Zu jener Zeit vollzog sich
eine Spaltung in der Sozialistischen Partei Italiens (PSI)5. Silone knüpfte an den radikalen
Teil unter Amadeo Bordiga an und er erfährt eine rasche politische Karriere. Es wird eine
neue kommunistische Partei gegründet, die mit den Reformern bricht. Die harte Arbeit
Silones innerhalb der Partei ermöglichte ihm 1921 eine Moskaureise. Er schildert seine
Eindrücke folgendermaßen: Der Enthusiasmus der russischen Jugend in jenen ersten Jahren
der Erschaffung einer neuen Welt, von der alle hofften, dass sie menschlicher sein würde als
die alte, war wirklich ein bewegendes Schauspiel.6 Dem gegenüber fällt ihm das
Unvermögen der Revolutionäre auf über Ansichten zu diskutieren, die nicht den ihrigen
entsprachen.7 Dieser Antagonismus verschärfte sich Jahre später als Silone zu einem
Abweichler der Direktiven Moskaus wurde. Nach der faschistischen Machtergreifung am 28.
Oktober 1922 arbeitete Silone im Untergrund. Nach einer kurzen Verhaftung wurde er als
gefährliches Element8 eingestuft. Silone litt Zeit seines Lebens an einer Art Tuberkulose.
Die Ärzte gaben ihm keine guten Lebensaussichten. Aufgrund dieser Tatsache glaubte Silone
eine weitere Verhaftung nicht zu überleben. Er entschloß sich mit seiner Freundin und
Genossin Gabrielle Seidenfeld, die er innerhalb der Partei kennengelernt hatte, ins Exil zu
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